ALBUM-REVIEWS                   "Wat fott es, es fott"

 

Terrorverlag Webzine

Deutschsprachigen Punkrock gibt es ja schon seit einigen Jahren, allerdings sieht man auf den Konzerten und Festivals fast nur Kerle auf der Bühne. Bands wie beispielsweise „Die Mimmis“, in denen auch Frauen mitrockten, waren/ sind knapp bemessen. Dabei sind sie nichtsschlechter als ihre männlichen Kollegen, wie DIE PARASITEN eindrucksvoll beweisen. Seit 1997 rocken die 5 Frauen nun schon die Bühnenbretter und haben jetzt nach vier EPs und einem Album ein weiteres in Eigenproduktion erstellt. „Wat fott es, es fott ...“ lautet der Titel und man kann sich schon ein wenig denken, um was es hauptsächlich auf der Scheibe geht. Beziehungen, Trennungen, Liebe und all den Quatsch, den Frauen ja ach so gern in ihren Boulevard Blättern lesen. Totaler Quatsch, denn Lieder wie „Wellengang“, „Du rockst“ oder „Kein Punk mehr“ zeigen deutlich, dass da nicht irgendwelche „Mäuschen“ etwas vor sich hin trällern, sondern selbstbewusste Personen einen kleinen Einblick in ihr Leben gewähren. Da sprüht auch schon mal die Ironie, bei Zeilen wie: „Der Punk-Polizeipräsident hat mir gesagt, heute war als Punk mein letzter Tag...“.

Das Cover und Booklet auf denen eine Sanduhr zu sehen sind, sowie der CD Druck, der ein Ziffernblatt zeigt sind gut aufeinander und auf den CD Titel abgestimmt. Auch die Abmischung der Stücke ist spitze. Nichts geht unter, kein Instrument bleibt auf der Strecke und man kann die Texte gut verstehen, da muss man bei einer Eigenproduktion schon mal den Hut ziehen. Zwar kommen die Kölnerinnen auf dem Silberling nicht ganz so hart daher wie einige der Kollegen, mit denen sie schon auf Konzerten oder Festivals gespielt haben, dennoch sollte man nicht Gefahr laufen sie zu unterschätzen oder gar mit diversen Popbands wie SILBERMOND oder JULI zu vergleichen, das sind dann doch schon ganz andere Klänge und Töne. Selbst Stücke, die über Beziehungen handeln wirken weder kitschig noch verkrampft und so ist man nach 10 Stücken schon ein wenig traurig, dass die Scheibe schon zu Ende ist.

Aber bestimmt wird es nicht das letzte Werk der PARASITEN gewesen sein.

Lui L. (23.01.2009)

Taugenix FanzineAch, DIE PARASTEN! Schön mal wieder was von denen zu hören. Die letzte Veröffentlichung die mir zu Ohren gekommen ist, war die "Solang' es uns gefällt" EP und die liegt nun auch schon 6 Jahre zurück. Alles was danach kam, hat sich doch tatsächlich unbemerkt an mir vorbei geschlichen und so staune ich nun, aufgrund der musikalischen Weiterentwicklung, nicht schlecht. Zuckersüße Melodien, vorgetragen von wunderschönem, oftmals mehrstimmigen Gesang bohren sich schon mit dem ersten Stück "Schattenzeit" tief in die Gehörgänge und in diesen Gängen wird es mit weiterem Vernehmen der restlichen Songs recht voll, denn es kommen noch einige dazu, wie z.B. der trompetenuntersetzte gute Laune Song "Sonnenstich", die rockigen Nummern "Du rockst" und "Mehr davon" oder die vom Piano getragene Ballade "Gefunden". Natürlich darf auch ein kleines Trinklied (Zu nüchtern) und ein Klischeebeladener Uffta Uffta Punksong (Kein Punk mehr) nicht fehlen, wobei letzterer meiner Meinung nach den einzigen Schwachpunkt dieses Albums darstellt. Ansonsten aber wirklich nur Kracher in melodiösem und einprägsamen Gewand.
Wer schon immer die weibliche Antwort auf DDP und sich ähnlich anhörende Musikanten gesucht hat, der wird mit den PARASITEN auf alle Fälle fündig werden und seine Freude haben. Ich hab jetzt schon meine Freude, aber ich bin ja auch schon in Besitz dieses Albums und wenn ihr diese Besprechung lest, wird meine Repeat Taste wahrscheinlich die meist berührte Taste meiner Anlage sein. Denn, et jeit immer wigger!
Steff (Ausgabe #7 2008)
Splitted.deDer Name des Albums verrät es bereits: DIE PARASITEN kommen aus Köln! Der Bandname lässt es vermuten: es geht hier irgendwie um Punk! Was man allerdings nirgendwo heraus erraten könnte, ist die Tatsache, dass diese deutschsprachige Punkrock-Combo (die sich Gott sei Dank nur im Albumtitel auf Kölner Dialekt machen) komplett weiblichen Geschlechts ist.

Ohne hier jetzt in irgendeiner Form frauenfeindlich zu wirken, aber eins muss gesagt sein: insbesondere am Schlagzeug machen Frauen meistens einen nicht ganz so überzeugenden Eindruck (als prominente Beispiele seien jetzt mal Lenny Krawitz oder The White Stripes genannt). DIE PARASITEN beweisen, dass es auch anders geht, und das eigentlich die komplette Reihe durch. Instrumental macht die ganze Geschichte wirklich viel her. Nicht nur, was die Bedienung der Gerätschaften betrifft, sondern auch in Bezug auf die Aufnahme gibt es wenig, was man bemängeln könnte. Der Gesang, besonders dann, wenn er zweistimmig wird, macht aus den ohnehin schon guten Songs etwas Besonderes. Mal rotzfrech, dann wieder kuschelweich entfaltet sich die Stimme von rAff über die Tracks.

Insgesamt gibt es zehn Songs auf die Ohren, die allesamt einen anderen Ton anschlagen. Leider haben die Lieder alle auch noch etwas anderes gemein: die Texte bewegen sich alle auf einem recht inhaltsleeren Niveau. Die Erkenntnis, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann, dass manche Männer beziehungsunfähig sind, dass die eigenen Lieder doch die tollsten sind bis hin zu dem Punkt, wo man bemerkt, dass man nicht allen Klischees entsprechen muss, um etwas auszudrücken oder einer bestimmten Gruppierung zuzugehören; all das sind die gedanklichen Schwergewichte, mit denen sich DIE PARASITEN herumschlagen. Nicht gerade besonders sozial-oder sonst was-kritisch, aber egal. Solange die Musik einen unterhält, ist das von meiner Seite aus in Ordnung, und das tut sie definitiv.

Um die Musik der Damen zu beschreiben, könnte man jetzt irgendwelche Vergleiche auflisten, die alle nicht wirklich passen würden. Am ehesten kann man sie wohl als weibliche Antwort auf Die Ärzte bezeichnen. Nicht nur von der Instrumentierung und Umsetzung von Ideen her passt dies, sondern auch darin, dass man ihnen den Spaß anmerkt, den sie beim Musizieren haben. Und das zeigt sich auch in der Kontinuität, mit der sie ihre Alben herausbringen. Seit ihrer Debüt-EP im Jahr 2000 haben sie nun zwei Alben und drei weitere EP´s unters Volk gebracht.

Warum diese Band noch kein Label gefunden hat, das ihr Potential auch völlig ausschöpft, bleibt für mich ein Geheimnis. Fünf Damen, die freche Songs machen, dabei auch noch ansprechend aussehen und ihre ernsthaften Absichten durch nun acht Jahre Bestehen klar gemacht haben dürften, da muss sich doch irgendjemand finden, der das auch vernünftig vermarkten will!?! Wenn jetzt noch die Texte ein wenig mehr pfiff erhalten, dann ist das ein echter Tipp für große Festivals!
(11.09.2008)
Ramtatta.de

Diese Ausgabe hat 8 von 10 Punkten erhalten.
Dieses Review wurde von Der Fürst am 18. September 2008 verfaßt.

Da ist sie nun also, die neue CD der Krefelder Punk-Rock Girls. Im schicken Digipack kommt die mittlerweile sechste Veröffentlichung daher. Hier kommen 10 neue Stücke, die den Hörer wieder einmal durch die Punkrockwelt aus Frauenaugen führen. Verdammt viel Liebeskummer und Herzschmerz scheinen immer wieder jede Menge Zeit zu bringen, um neue Lieder und Texte zu schreiben und dies in eben ihnen zu verarbeiten.
Obwohl die Mädels hier immer ziemlich rocken, muss ich sagen, dass mein Lieblingsstück ganz klar die Ballade "Gefunden" ist.

Insgesamt gefällt mir die CD richtig gut. Mal straight nach vorne gespielt, mal rotzig, mal Midtempo, mal Skapunk angehaucht, abwechslungsreich, nie aufdringlich und Raffs Stimme, die über allem thront und der Musik der Parasiten die eigene Note und Unverwechselbarkeit verleiht.

Die 34 Minuten Girliepunk gibt es entweder direkt bei der Band oder Antirockstar Ind.
CrazyUnited.deObwohl nach drei EPs und einem Album schon die fünfte Veröffentlichung dieser Kölner Fast-All-Girl-Combo, höre ich mit der neuen Platte zum ersten mal von den PARASITEN – und bin überrascht! Supergeil produzierter, rockiger, poppiger deutschsprachiger Punkrock mit einer VERDAMMT GEILEN weiblichen Stimme! Sängerin rAff kann richtig gut und vor allem kraftvoll singen (besser als „Deutschrock“-Trullas á la Christina Stürmer und Konsorten), aber auch rotzig oder aggressiv klingen und variiert perfekt, jeweils passend zur Musik, die größtenteils recht flott, aber extrem eingängig ist und so manchen Ohrwurm zu bieten hat. Zusätzlich aufgelockert wird das Ganze mit vereinzelten Saxophon und Klaviereinsätzen. Und keine Sorge: Die trotz des Albumtitels glücklicherweise nicht in Mundart vorgetragenen Texte sind gänzlich unpeinlicher, meist persönlicher Natur und überschreiten eigentlich lediglich bei „Gefunden“ ein wenig die Grenze zum Kitsch. Ist aber nicht schlimm, denn gleich der nächste und damit letzte Song lautet „Kein Punk mehr“ und ist ein ganz schönes Brett, das auf ironische Weise Szeneregeln und –zwänge thematisiert, wobei der Ausbruch aus jenen ein Freiheitsgefühl ähnlich dem vom Ausbruch aus der Gesellschaft, der die meisten ja erst in die Punkszene trieb, erzeugen kann. Die Band scheint wenig Wert auf Etiketten zu legen und ich gehe davon aus, dass es ihr ziemlich Schnurz sein wird, ob man sie nach diesem Album dem Punkrock, dem „Deutschrock“ oder dem radiotauglichen Pop zuordnen wird. Die Texte sind im Booklet nachzulesen, aufgrund der lupenreinen Produktion aber sehr gut zu verstehen. Zehn Songs in 35 Minuten, Anspieltipp: „Kein Plan“. Tolle Band, tolle Platte!
2. Günni (20.09.2008)